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Test Sony alpha SLT-A55V

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technische Daten

Nachdem das Segment der Bridge-Kameras praktisch ausgestorben ist, wird diese Nische nun nach und nach von neuen Systemkameras besetzt. Gemeinsam haben diese Kameras, das sie wie eine Spiegelreflexkamera den Wechsel des Objektivs und den Anschluß von Blitzgeräten ermöglichen, aber kleiner und leichter sind als klassische DSLRs. Mit der alpha 55 (und der sehr ähnlichen alpha 33) setzt Sony ein für Digitalkameras neues Konzept um.
 
Statt komplett auf einen Spiegel zu verzichten, wird ein teildurchlässiger Spiegel eingesetzt. Der Vorteil dieses Konzepts: man hat gleichzeitig ein Livebild und den schnellen Phasen-Autofokus zur Verfügung. Bei klassischen DSLRs schließt sich dies gegenseitig aus. Durch den Wegfall des Klappmechanismus und dem Einsatz eines elektronischen Suchers anstelle des optischen kann die Kamera etwas kleiner und leichter gebaut werden.
 
Abmessungen (B x H x T): 125 mm x 92 mm x 85 mm
Gewicht (mit Akku, ohne Objektiv): 500 g
weitere technische Daten
 
Lieferumfang:


Display / Sucher

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Einer der meistdiskutierten Punkte ist der Sucher der alpha 55. Statt eines optischen Suchers wird ein Minidisplay (EVF) verwendet, das das Livebild des Bildsensors wiedergibt. Da dieses Display eine sehr hohe Auflösung von 1,15 Millionen Pixel bei einer Diagonalen von 1,1 cm hat, erhält man eine wesentlich bessere Darstellung als man es von kompakten Superzoomkameras gewöhnt ist. Einzelne Pixel sind nicht erkennbar. Im Vergleich zu dem optischen Sucher einer Einsteiger-DSLR hat der EVF durchaus gravierende Vorteile. Bedingt durch das APS-C-Format und der Verwendung von günstigen Prismen sind deren Sucher nämlich oft klein und dunkel. Bei schlechten Lichtverhältnissen oder beim Abblenden auf Arbeitsblende (Schärftentiefevorschau) ist dann nicht mehr viel erkennbar. Der digitale Sucher der a55 zeigt zudem 100% des Bildes an - üblich sind in dieser Klasse ~95%.
 
Der EVF der alpha 55 nutzt die Möglichkeiten des Systems konsequent:
Bei Dunkelheit wird das Bild aufgehellt - das bringt zwar etwas Rauschen in der Anzeige, aber man kann immer noch das Motiv beurteilen. Auf Tastendruck kann die Anzeige 7,5x und 15x vergrößert dargestellt werden - dies macht manuelles Scharfstellen zum Kinderspiel. Selbst im Dunklen mit verrauschter Anzeige.
Zusätzlich können deutlich mehr Informationen in den Sucher eingeblendet werden, als bei optischen Suchern üblich: z.B. verschiedene Gitteranzeige, ein künstlicher Horizont oder ein Live-Histogramm.
Noch viel wichtiger allerdings finde ich die Belichtungsvorschau: der Sucher (und auch das Display) zeigen das Bild bereits vor der Aufnahme so, wie es später aussehen wird. Belichtungskorrektur oder Weißabgleich werden direkt dargestellt. Damit spart man sich manche Probeaufnahme.
Wichtig für Sportaufnahmen ist die Zeitverzögerung zwischen dem realen Geschehen und der Wiedergabe im Sucher. Hier muß man feststellen, das die Wiedergabe nur ganz leicht verzögert ist.
 
Zusammenfassend kann ich sagen, das ich lieber mit diesem elektronischen Sucher arbeite, als mit den kleinen dunklen optischen Suchern, wie sie in diesem Preissegment üblich sind. Allerdings will ich nicht verschweigen, das manche Menschen Bildstörungen wahrnehmen, wenn sie im Sucher umherblicken. Am besten macht man sich selbst ein Bild davon, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Aber Achtung: unter Umständen muß man danach alte Voruteile über Bord werfen.
 
Das Display ist mit 921.600 Pixel und 3'' Diagonale ebenfalls groß genug und sehr gut aufgelöst. Die Helligkeit kann - wie beim Sucher - automatisch oder manuell in mehreren Stufen geregelt werden. Zusätzlich gibt es eine besonders helle Anzeigestufe für starken Sonnenschein. Nimmt man die Kamera ans Auge wird das Display automatisch abgeschaltet. Das Display hat am unteren Rand ein Gelenk mit dem es geschwenkt und gedreht werden kann. Dadurch kann es z.B. zum Schutz mit der Anzeigeseite nach innen gedreht werden. Sehr praktisch ist auch die 90° herausgeklapte Position bei der man wie mit einem Schachtsucher arbeiten kann. Beim Stativeinsatz wird aber in der Regel das Display so weit blockiert, das man es nicht mehr komplett schwenken kann. Mit angesetzter Manfrotto-Schnellwechselplatte gibt es keine Behinderung. D.h. man muß zur Änderung der Displaystellung die Kamera vom Stativ nehmen und danach wieder aufsetzen. Ansonsten überwiegen allerdings die Vorteile dieser Konstruktion, da das Display nicht seitlich aus der Objektivachse herausragt.

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Da die alpha 55 quasi immer im Liveview-Modus arbeitet und der AF unvermindert schnell ist, kann man das drehbare Display jederzeit uneingeschränkt nutzen. Im Gegensatz zu anderen DSLRs, wo der langsame Liveview-AF den Einsatz nur bei relativ statischen Motiven erlaubt. Näherungssensoren unter dem Sucher schalten das Display ab und den Sucher an. Diese Automatik kann man im Menü deaktivieren und dann mit einer extra Taste umschalten. Mir ist es z.B. beim Fotografieren im Hochformat und starkem seitlichem Sonnenschein passiert, das sich der Sucher abschaltete. Normalerweise funktioniert die Automatik aber perfekt.
 
Die Anzeigemodi lassen sich getrennt für Sucher und Display einstellen, wobei jeder Druck auf die DISP-Taste die Anzeige zwischen den verschiedenen Modi wechselt:
 
im Sucher

im Display

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Die Blenden/Zeit-Waage zeigt sehr anschaulich den Zusammenhang zwischen Blende und Belichtungszeit. Nettes Gimmick, auf das man aber verzichten muß, wenn man das wesentlich wichtigere Live-Histogramm einblendet. Ein wirklich wertvolles Hilfsmittel ist der künstliche Horizont, mit dem das Ausrichten der Kamera zum Kinderspiel wird.
 
Zusätzlich kann man verschiedene Gittervarianten einblenden. Dies erfordert aber einen tieferen Ausflug ins Menü und wird dann (allerdings sehr dezent) in alle Anzeigen eingeblendet. Ähnlich tief muß man für die Histogrammanzeige ins Menü eintauchen und statt einer zusätzlichen Histogrammanzeige wird diese anstelle des Bildschirms mit der Blenden/Zeit-Waage angezeigt. Wahlweise kann man die Sucheranzeige von Blende, Zeit und Belichtungskorrektur ausblenden, damit das Motiv nicht von der Schrift verdeckt wird. Beim Verstellen von Parametern oder beim Antippen des Suchers werden die Daten wieder eingeblendet.
 
Dann gibt es noch einen weiteren Menüpunkt, der die Anzeige der Aufnahmeparameter auf dem Display steuert: entweder formatfüllend wie bei DSLRs ohne LiveView (Option 'für Sucher') oder am rechten und linken Rand neben dem Livebild (Option 'für Liveview').
Insgesamt gesehen ist die Konfiguration der Displaydarstellung etwas umständlich und unkomfortabel geraten. Sony hätte besser daran getan alle derzeit möglichen Varianten im Menü als ein/aus konfigurierbar anzubieten, um dann mit der Display-Taste alle aktiv geschalteten der Reihe nach durchzugehen.
 
Auch wäre es wünschenswert, wenn man, wie bei den meisten DSLRs, auf dem Display das zuletzt geschossene Foto anzeigen würde und im Sucher weiterhin das Livebild sehen könnte. Technisch sollte das kein Problem darstellen. So kann man nur eine Bildkontrolle einschalten, die für eine feste Zeitspanne (z.B. 2 Sek, 10 Sek) das fertige Foto im aktiven Display anzeigt. Damit wird aber der Sucher blockiert - man kann dann nur blind weiter fotografieren. Man wird daher wohl meist die Bildkontrolle ganz abschalten und dann per Hand die Wiedergabe aufrufen, wenn man die Zeit zur Kontrolle hat. Das hätte man komfortabler lösen können. Allerdings ist die Notwendigkeit der Kontrolle durch die Belichtungsvorschau auch geringer als bei normalen Spiegelreflexkameras.
 
Da die Belichtungsvorschau auch im manuellen Modus aktiv ist, kann es bei der Arbeit mit externen Blitzgeräten (z.B. bei der Verwendung von Funkauslösern) passieren, das nur noch ein vollkommen schwarzes Bild angezeigt wird - weil die Belichtungsvorschau nur bei Systemblitzgeräten deaktiviert wird. Als Workaround kann man den internen Blitz aufklappen und den Blitzmodus auf 'wireless' stellen. Für eine andere unangenehme Eigenheit der a55 habe ich noch keinen Workaround gefunden: bei aktiviertem Blitz (egal ob interner oder externer) gibt es eine zusätzliche Auslöseverzögerung von ca. 0,3 sec. Laut SONY liegt es am Vorblitz bei ADI/TTL-Messung und es ist nicht geplant dieses Verhalten zu ändern (Bei den Nachfolge-Modellen a65/a77 wurde dieses Problem behoben). Eine leichte Verzögerung tritt durch den TTL-Vorblitz immer auf, aber die ist z.B. bei Canon oder Nikon deutlich kürzer. Relativierend muss man allerdings sagen, das andere Systemkameras (Olympus PEN, Panasonic G) noch langsamer sind. Störend ist, das die Verzögerung auch mit dem manuellen Modus des Blitzgeräts auftritt - also selbst dann, wenn kein TTL-Vorblitz benutzt wird. Mit Nicht-Systemblitzgeräten, die ohne TTL-Unterstützung arbeiten und von der Kamera nicht erkannt werden, tritt diese Verzögerung nicht auf. Allerdings verliert man damit die Vorteile eines modernen Blitzsystems. Und der Sucher ist wieder schwarz - siehe oben. Zusammenfassen kann man das Thema 'Blitzen' bei der alpha 55 mit dem Fazit: sie ist weder für die Studiofotografie, noch für spontane Blitzaufnahmen wirklich gut geeignet. Eine sehr ausführliche Erklärung der Zusammenhänge findet man im DSLR-Forum.
 
Sehr vorteilhaft beim manuellen Scharfstellen: man kann eine 7,5fache bzw. 15fache Vergrößerung zuschalten, die sowohl auf dem Display, als auch im Sucher angezeigt wird. Die Lupe kann dabei mit den 4-Wege-Tasten frei verschoben werden. Aber auch nach längerer Benutzung ist es immer noch störend, das die Lupenfunktion im Liveview und in der Wiedergabe auf unterschiedlichen Tasten liegt. Im Liveview wird dazu die Taste benutzt, die im Wiedergabemodus die Löschfunktion auslöst. Im Wiedergabemodus muß man stattdessen die AEL-Taste benutzen. Das ist besonders bei Makroaufnahmen störend, denn die Bildschirmlupe wird deaktiviert, wenn man die Schärfentiefenvorschau auslöst. Und die Blendenverstellung funktioniert in der Lupenansicht auch nicht. Somit muß man zur genauen Kontrolle der Schärfentiefe doch wieder ständig zwischen der Lupenansicht im Liveview und der Lupenansicht in der Wiedergabe wechseln. Woraufhin dann die unglückliche Tastenbelegung störend auffällt.

Ausstattung / Bedienung

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Das Gehäuse der alpha 55 ist für eine Spiegelreflex wirklich sehr klein. Der Handgriff könnte etwas stärker ausgeprägt sein. Mit großen Händen wird man mitunter schon mal Platz für den kleinen Finger suchen. Ansonsten ist das Gehäuse gut verarbeitet. Der verwendete Kunststoff bietet eine angenehme Haptik und es knirscht und knarrt nichts. Die Klappe des Akku/Speicherschachts wirkt ausreichend robust. Einzig die Gummistöpsel für die weiteren Zugänge wie USB, HDMI, Fernsteuerung und Mikrofon sind etwas fummelig ausgeführt.
 
Die alpha 55 lässt sich nach kurzer Eingewöhnung sehr leicht und schnell bedienen. Vermisst habe ich nur die Möglichkeit verschiedene Konfigurationen abzuspeichern, eine benutzerdefinierte Taste für häufig gebrauchte Optionen oder eine Direktzugriffstaste für die Fokus-Methode.
 
Der Ein/Ausschalter befindet sich ringförmig um den Auslöser. Das Programmwahlrad links vom Sucher hat die üblichen Auto-P-A-S-M-Modi und zusätzlich Auto+, Blitz aus, Szenenmodus, Panorama und 10fps. Der Modus 'Blitz aus' entspricht dem Auto-Modus mit abgeschaltetem Blitz. In der Blendenautomatik und der Zeitautomatik kann mit einem Einstellrad unterhalb des Auslösers die gewünschte Blende bzw. Zeit verstellt werden. Im manuellen Modus muss man zur Verstellung der Blende zusätzlich die Belichtungskorrekur-Taste drücken. Im P-Modus ist das Einstellrad wirkungslos - einen Programmshift bietet die alpha leider nicht.
 
Im AUTO-Modus wird man die Möglichkeiten der Kamera nicht ausschöpfen können. Schon weil die Automatik nicht immer so agiert, wie man es erwartet. Mir ist z.B. aufgefallen, das sie bei schwachem Licht zwar den Blitz zuschaltet, aber die Belichtungszeit unverändert lang lässt. Das führt zwar prinzipiell dazu, das man innerhalb der Blitzreichweite ein scharfes Bild mit guter Lichtstimmung im Hintergrund erhält, aber stärkere Bewegungen des Motivs führen trotzdem zu Unschärfen. Der P-Modus dagegen reagiert wir erwartet und stellt mit Blitz Belichtungszeiten zwischen 1/60 und 1/160 ein. Man sollte also auf keinen Fall erwarten, das der AUTO-Modus immer perfekte Bilder macht. Meiner Meinung nach kann man das auch nicht erwarten und ich benutze daher bei keiner Kamera die Automatik. Der P-Modus ist immer zu bevorzugen, falls man Wert auf eine automatische Belichtung legt - denn hier hat man viel mehr eigene Einflussmöglichkeiten.
 
Fast noch schlimmer ist der Modus Auto+. Denn hier versucht die Kamera das Motiv zu erraten und stellt den dazu passenden Szenenmodus ein. Optional wählt sie dabei sogar Serienaufnahme oder HDR aus. Teilweise funktioniert das sogar erstaunlich gut. Zur Kontrolle wird der gerade gewählte Szenenmodus im Display angezeigt. Wie oben bereits angedeutet bin ich kein Freund solcher Automatiken, aber hier kann man wenigstens überprüfen, ob die Automatik mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt. Falls nicht - und man will trotzdem automatische Einstellungen nutzen, dann bleibt immer noch der Szenen-Modus.
 
Im Szenemodus kann man aus 8 vorgegebenen Motivprogrammen das passende auswählen: Portrait, Sport, Makro, Landschaft, Sonnenuntergang, Nachtaufnahmen, handgehalten bei Dämmerung und Nacht-Portrait. So hat man wenigstens eine kleine Kontrolle darüber, dass halbwegs passende Belichtungsvorgaben gewählt werden. Zusätzlich gibt es noch 11 Bildeffekte, die zur Verfremdung des Fotos dienen. Da die Auswirkungen direkt im Sucher sichtbar sind, kann man diese auch dann zur Bildkomposition nehmen, wenn man diese Effekte später lieber in der Bildbearbeitung durchführt. Zur Auswahl stehen Tontrennung (Farbe oder S/W), Pop-Farbe, Retro-Foto, Color-Key (rot, grün, blau, gelb), High-Key, Hochkontrast-Monochrom und Spielzeugkamera. Es wird kein unbearbeitetes Foto parallel gespeichert. Im SCN-Modus sind generell die meisten Einstellungen gesperrt, da es sich um Automatikprogramme handelt. Bei den Bildeffekten ist immerhin ein Einfluß auf Belichtung und Weißabgleich möglich.

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Der Panoramamodus ermöglicht zunächst die Wahl zwischen 2D und 3D-Panoramen. Im Menü kann man dann noch die Schwenkrichtung (links, rechts, auf und ab) und die Breite (Standard, Wide) festlegen . Nun braucht man nur den Auslöser gedrückt halten und die Kamera schwenken. Anschließend wird ein Panoramabild berechnet - ganz ohne Arbeit am PC. Und das funktioniert erstaunlich gut. 3D-Panoramen können auf 3D-fähigen Fernsehern angezeigt werden. Die Auflösung der Panoramas ist allerdings in der Höhe auf 1856 Pixel und in der Breite auf 8192 oder 12416 Pixel begrenzt. Wer also bisher mit Panorama-Schwenkkopf und in mühsamer Kleinarbeit am PC hochwertige Panoramas erstellt hat, wird dies auch weiterhin tun müssen. Für den normalen Urlaubs-Rundumblick ist die Funktion dagegen absolut ausreichend.
 
Der 10fps-Modus ist ein besonders schneller Serienbildmodus. Die Kamera macht damit 10 Bilder/Sekunde. Allerdings kann sie diese Geschwindigkeit nicht lange durchhalten. Nach etwa 3 Sekunden (also 30 Bildern) ist der interne Speicher gefüllt und die Fotos müssen auf die Speicherkarte geschrieben werden. Abhängig von der Geschwindigkeit der Karte reduziert sich dann die Serienbildgeschwindigkeit. Im 10fps-Modus gibt es noch ein paar Besonderheiten zu beachten: die Verschlusszeit lässt sich nur durch ISO-Einstellung und Blende beeinflussen - wenn man Einzelbild-AF oder MF eingestellt hat. Der Fokus wird dann aber nur bei der ersten Aufnahme bestimmt. Bei Auswahl von Nachführ-AF wird der Fokus während der Serienaufnahme nachgeführt, aber dafür die Belichtung nur automatisch geregelt. Alle Freiheiten hat man dagegen in den normalen Serienbild-Modi mit wahlweise 3 oder 6fps. Wobei die Kamera dann mit Fokus-Priorität arbeitet. D.h. sie löst nur dann aus, wenn das Bild scharfgestellt wurde. Detailliert werden die verschiedenen Serienbild-Modi der a55 auf der Homepage von Jörg Haag betrachtet.

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Auf der linken Seite findet man dann unter dem Programmwahlrad noch die Menütaste. Das Menü besteht aus 11 thematisch sortierten Bildschirmseiten. Da man innerhalb einer Seite nicht scrollt bleibt das Menü recht übersichtlich. Navigiert wird im Menü über das Steuerkreuz auf der rechten Seite. Der mittlere Knopf dient zur Bestätigung der Auswahl. Wahlweise merkt sich die Kamera den zuletzt genutzten Menüpunkt oder springt immer an den Anfang des Menüs.
 
Außerhalb des Menüs bietet das Steuerkreuz 5 Schnellwahltasten:
 
DISP schaltet die Anzeigen im Sucher bzw. Display durch.

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WB ruft die Weißabgleichseinstellungen auf. Der Weißabgleich bietet nicht nur Voreinstellungen für verschiedene Leuchtmittel, sondern innerhalb dessen ist die Korrektur noch in mehreren Stufen einstellbar. Selbstverständlich lässt sich auch ein eigener Weißabgleich einmessen. Dessen Ergebnis wird in Kelvin angezeigt. Das extrem ungleichmäßige Lichtspektrum von Energiesparlampen führt die Messung schon mal in die Irre. Da ist es dann hilfreich, das die Lichtfarbe auch manuell in Kelvin (gelb-blau-Achse) und als Farbfilter (in der grün-magenta Achse) eingestellt werden kann. Für Energiesparlampen habe ich z.B. 2700K M3 ermittelt.

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ISO ermöglicht die Auswahl des ISO-Wertes zwischen 100 und 12.800, sowie ISO-Auto und Multiframe von Auto bis ISO 25.600. Der ISO-Auto-Modus arbeitet zwischen 100 und 1.600 und - einer meiner stärksten Kritikpunkte - ist nicht konfigurierbar. Das wäre noch nicht ganz so schlimm, wenn im Display wenigstens der aktuell gewählte ISO-Wert angegeben würde. Der wird aber nur angezeigt, wenn man selber den ISO-Wert festlegt. Unverständlich wie Sony eine solche Entscheidung treffen konnte.
Wenn man Multiframe-ISO-Werte einstellt, dann macht die Kamera mehrere Aufnahmen und verrechnet diese zu einem rauschärmeren Foto. Das funktioniert zufriedenstellend natürlich nur bei unbewegten Motiven - geht dann aber auch aus der Hand und man gewinnt mindestens eine ISO-Stufe an Bildqualität.

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Die linke Taste steuert die Bildfolge-Modi. Hier hat man Einzelbild, Serienbilder mit 3 oder 6 Bilder/Sekunde, Selbstauslöser mit 2 oder 10 Sekunden, Belichtungsreihe mit 0,3 oder 0,7 EV, Weißabgleichsreihe mit starker oder schwacher Streuung und Auslösung per Fernbedienung zur Auswahl. Etwas ungewöhnlich ist das die Belichtungsreihe nicht mit +/- 1 EV möglich ist und nicht mit dem Selbstauslöser kombiniert werden kann.
 
Der zentrale AF-Knopf ermöglicht die Auswahl des aktiven AF-Feldes bei der AF-Einstellung 'lokal'. Die AF-Einstellung wird wie 11 weitere Einstellungen über die Fn-Taste links oberhalb des Steuerkreuzes vorgenommen. Entweder wählt die Kamera automatisch die 'richtigen' AF-Felder aus 15 möglichen aus oder der Fotograf legt das aktive AF-Feld fest oder es wird nur das mittlere aktiviert. Als weitere AF-Einstellung steht Einzelbild-AF oder Nachführ-AF zur Verfügung. Kann man sich nicht zwischen diesen beiden Modi entscheiden, stehlt man einfach Auto ein. Die alpha 55 legt dann anhand der Bewegung des Motivs fest ob der Nachführ-AF benötigt wird. Das funktioniert auch recht gut. Der Autofokus an sich arbeitet sehr schnell - dank der ständig aktiven Phasen-AF-Sensoren. Hier braucht sich die Sony nicht hinter anderen DSLRs verstecken. Praktisch ist auch der EyeStart-AF: wahlweise stellt die Kamera bereits scharf, wenn die Kamera ans Auge gehalten wird.

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Die Fn-Taste enthält ebenso wie das Steuerkreuz die Einstellungen für Bildfolgemodus, ISO-Wert und Weißabgleich. Zusätzlich sind einstellbar: der Blitzmodus (aus, Auto, aufhellen, Langzeitsynchronisation, 2.Vorhang, Drahtlos), der Messmodus für die Belichtung (Mehrfeld, mittenbetont und Spot), Blitz-Belichtungskorrekur, DRO/HDR, Kreativmodus, Gesichtserkennung und Lächelerkennung.

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Aktiviert man die Gesichtserkennung, werden Autofokus und Belichtung auf erkannte Gesichter optimiert. Schaltet man die Lächelerkennung (mit konfigurierbarer Grinsstärke) ein, dann löst die Kamera automatisch aus, sobald sie ein Lächeln erfasst. Die Kreativmodi ermöglichen zum einen die Auswahl von vorkonfigurierten Bildstimmungen (Lebhaft, Natürlich, etc) als auch die Anpassung von Kontrast, Sättigung und Schärfe an die eigenen Vorlieben.
 
Im rechten Bereich findet man dann noch weitere Tasten: die Mülleimer-Taste dient im Foto-Modus zum Aufrufen der Bildschirmlupe. Die +/- Taste dient zusammen mit dem Einstellrad der Einstellung der Belichtungskorrektur. Die AEL-Taste speichert die aktuelle Belichtung - wahlweise auf Tastendruck oder durch Festhalten der Taste.
 
Mit der Play-Taste ruft man den Wiedergabe-Modus auf. Hier stehen auch verschiedene Ansichten zur Verfügung, die mit der DISP-Taste durchgeschaltet werden: eine Ansicht mit Foto im Vollformat und den wichtigsten Belichtungsparametern, das Foto ohne weitere Anzeigen und eine Anzeige mit vollständigen Aufnahmeparametern, RGB-Histogramm und einer Miniaturansicht mit blinkender Lichter/Schattenwarnung. Die Anzeige reagiert absolut verzögerugsfrei. Man kann mit 2 Tasten rein- und rauszoomen und mit dem Einstellrad zwischen den Fotos wechseln. Der Zoomfaktor und die Position bleiben dabei erhalten, so das man sehr schnell Details vergleichen kann. Etwas umständlich ist das Wechseln von der Foto-Anzeige in die Video-Anzeige. Diese sind quasi in verschiedenen Ordnern einsortiert, zwischen denen man wechseln muß. Panorama-Fotos lassen sich sehr schön vorführen: das Foto wird in der Bildhöhe formatfüllend angezeigt und dann ruckelfrei über das Bild geschwenkt.
 
Die Movie-Taste startet die Aufzeichnung eines Videos - maximal 29 Minuten lang. Bei aktivem Bildstabilisator reduziert sich die Zeit auf 9 Minuten - weil der Dauerbetrieb des Stabis zur Überhitzung führt. Allerdings sollte man das auch nicht überbewerten. Zum einen ist es üblich Filme aus mehreren kurzen Videosequenzen zusammenzuschneiden und zum anderen kann man die Überhitzung vermeiden, indem man den internen Bildstabilisator ausschaltet und stattdessen ein Stativ oder ein Objektiv mit eigenem Stabilisator verwendet. Bei praktisch allen anderen DSLRs ist die Videoaufnahme übrigens auch auf wenige Minuten begrenzt. Während viele DSLR beim Filmen nur manuellen Fokus bieten oder allenfalls einen langsamen Kontrast-AF, kann die SLT-A55V dank des teildurchlässigen Spiegels weiterhin ihre Phasen-AF-Sensoren nutzen und ermöglicht einen schnellen und präzisen Autofokus ohne lästiges Schwanken um den Schärfepunkt. Selbst wenn man manuell fokussiert helfen die AF-Sensoren noch, denn die Scharfstellung wird weiterhin durch Aufleuchten der AF-Markierungen angezeigt. Mit AF steuert die Kamera die Belichtung selber, wobei die Blende nicht weiter als f3.5 geöffnet wird. Mit manuellem Fokus ist auch eine manuelle Auswahl der Blende möglich. Die Videos werden wahlweise im AVCHD-Format 1920 x 1080 50i mit Dolby-Digital-Audio oder in MPEG-4 mit 1440 x 1080 50i / 640 x 480 50i mit AAC-Audio aufgezeichnet. Die Tonqualität des internen Mikros ist recht bescheiden, für hochwertigen Sound kann man ein externes Mikrofon anschließen.

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Unter der D-Range-Taste sind alle Funktionen zusammengefasst, die für einen erweiterten Dynamikumfang sorgen. Mit der DRO-Funktion wird ein Foto gemacht und anschließend die Schattenbereich aufgehellt. Als Einstellung sind Auto oder bis zu 5 Blendenstufen möglich. Durch die Aufhellung kann es in dunklen Bereichen zu erhöhtem Rauschen kommen.
Die HDR-Funktion dagegen macht drei unterschiedlich belichtete Fotos und verrechnet diese zu einem durchgehend gut belichteten Bild. Auch hier kann man zwischen Auto und +/- 3 Blendenstufen wählen. Neben dem HDR wird zusätzlich das normal belichtete Bild mit abgespeichert, aber nicht die Belichtungsvariationen. Das Motiv darf sich natürlich nicht bewegen, aber ein Stativ muß man nicht einsetzen. Die Ergebnisse sind nicht mit aufwendig in der Bildbearbeitung erstellten HDRs vergleichbar. Sie ist aber ganz nützlich um Szenen mit hohem Kontrast zu bewältigen. Da immer auch das normal belichtete Foto gespeichert wird, kann man es risikolos ausprobieren. Oft wirken die HDR-Aufnahmen etwas flau. Das kann man in einer Bildbearbeitung aber leicht korrigieren und erhält dann oft ein erstaunlich ausgeglichen belichtetes Foto. Die HDR-Funktion ist, wie das ISO-Multiframing, nicht mit dem Selbstauslöser oder RAW kombinierbar.

Die D-Range-Taste kann über das Menü auch mit einer anderen von 14 Funktionen belegt werden: Bildfolgemodus, Blitzmodus, AF-Modus, AF-Feld, Gesichtserkennung, Auslösung bei Lächeln, ISO, Messmethode, Blitzkompens., Weißabgleich, DRO/Auto HDR, Kreativmodus, SCN/Bildeffekt, Panorama. ISO und Weißabgleich haben sowieso schon eine eigene Taste auf dem Steuerkreuz, SCN/Bildeffekt macht wenig Sinn, weil das Wahlrad trotzdem noch auf Szenenmodus gedreht werden muß - bleiben also nicht wirklich viele häufig benutzte Funktionen übrig. Leider hat es Sony verpasst hier auch den Bildstabilisator anzubieten. Aber besser eine definierbare Funktionstaste als gar keine.

Etwas schwer zu finden, befindet sich auf der Vorderseite in der Nähe des Objektivanschlusses noch die Abblendtaste. Hier spielt der EVF mal wieder seine Stärken aus: im Gegensatz zu einem optischen Sucher wird es beim Abblenden auf die Arbeitsblende nicht dunkel im Sucher. Der Schärfentiefe-Effekt lässt sich so recht gut beurteilen.
 
Links vom Bajonett befindet sich die Entriegelungstaste. Es können alle Objektive mit Sony/Minolta A-Bajonett angeschlossen werden. Daneben findet man noch einen Schiebeschalter für die Umschaltung zwischen AF und MF. Falls das Objektiv auch einen AF/MF-Schalter hat, muß der des Objektivs verwendet werden. Für die alpha 55 benötigt man nicht unbedingt Objektive mit Bildstabilisator, da bereits einer im Gehäuse integriert ist. Der integrierte Bildstabi (Sony-Steady-Shot genannt) ist aber nur während der Aufnahme aktiv. Das Sucherbild wird also nicht beruhigt. Daher kann der Einsatz eines stabilisierten Tele-Objektivs durchaus Sinn machen. Bei einem kurzen Vergleich mit einem Sigma OS habe ich keine nennenswerten Unterschiede zwischen den verschiedenen Stabilisatoren feststellen können. Beide waren ähnlich wirksam.

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Noch recht selten ist die Ausstattung mit einem integrierten GPS-Sensor. Somit spart man sich bei der Anschaffung der Sony SLT-A55V (das V steht für GPS-Sensor, in einigen Ländern gibt es auch eine SLT-A55 ohne GPS) die zusätzliche Ausgabe für einen GPS-Logger. Der Sensor ist nur bei eingeschalteter Kamera aktiv und schreibt die aktuellen GPS-Koordinaten in die EXIF-Daten des Bildes. Damit die Positionsbestimmung schneller geht, kann man mit der mitgelieferten Sony-Software GPS-Unterstützungsdaten aus dem Internet in die Kamera laden. Dazu reicht es schon aus, die Speicherkarte der a55 in den Kartenleser am PC zu stecken. Alternativ kann man sich die GPS-Assist-Daten auch direkt bei Sony runterladen und auf der Speicherkarte im Ordner Private/SONY/GPS/ abspeichern. Diese Daten sind 1 Monat lang aktuell. Etwas unpraktisch ist die Eigenheit der GPS-Funktion, das ohne Empfang die letzte bestimmte Position ins Bild geschrieben wird. Das ist durchaus sinnvoll, wenn man z.B. erst vor und später in einem Gebäude fotografiert. Aber wenn man das letzte Foto in der Wüste Gobi gemacht hat und das nächste dann bei der Feier von Opas 80. - dann landet Opi in der Wüste Gobi. Hier fände ich es sinnvoller, wenn die Kamera nur für eine bestimmte Zeitspanne die letzte Position übernehmen würde. Man kann sich selbst behelfen, in dem man im Menü einmal die GPS-Funktion aus und dann wieder einschaltet. Damit wird die letzte Position gelöscht und die Bilder tragen solange keinerlei GPS-Daten, bis die Kamera wieder Empfang hat. Dies dauert ca. 2 Minuten, bis die Kamera die richtige Position bestimmt hat. Abhängig von der gerade aktuellen Empfangssituation (Sicht nach Süden, Anzahl der sichtbaren Sateliten) kann die Zeit variieren. Wenn man Fotos direkt nach dem Einschalten macht, muß man immer damit rechnen das nicht die korrekte Position abgespeichert wird. Abweichungen um bis zu 100m sind dann möglich. Um das Bild-Archiv mit einer ortsbezogenen Suche (mein Tip: GeoSetter) zu durchsuchen, ist das aber ausreichend. In der Praxis habe ich auf längeren Wanderungen, bei der die Kamera zwischendurch immer wieder ausgeschaltet war, eine sehr genaue Aufzeichnung der Route bekommen.
 
Das kombinierte Akku/Kartenfach befindet sich an der Unterseite der Kamera. Der Zugang ist auch mit montierter Stativwechselplatte möglich. Das Kartenfach akzeptiert sowohl SD-Karten in allen Varianten (SDHC, SDXC), als auch Memorysticks der Sorten Pro-Duo und Pro-Duo-HG. Allerdings nicht gleichzeitig, da für beide Karten der gleiche Schacht benutzt wird. Als Akku wird der gleiche Typ wie in den kleinen NEX-Kameras eingesetzt. Dadurch reicht die Kapazität nur knapp für ca. 300 Fotos. Das schreit geradezu nach einem oder zwei Ersatzakkus. Das Sony-Original ist leider extrem teuer (für 3 Akkus bekommt man schon gute Kameras) und die Nachbauten können nicht immer überzeugen. Manche passen mechanisch nicht und fast alle haben noch weniger Kapazität als das Original. Gute Erfahrungen habe ich mit den Akkus von Delamax gemacht.
 
Bedingt durch den feststehenden Spiegel läuft die Reinigung des Bildsensors bei der alpha 55 etwas anders ab als gewohnt. Der integrierte Bildstabilisator wird regelmäßig beim Ausschalten und beim Akkuwechsel dazu genutzt um den Staub vom Sensor zu schütteln. Eine etwas intensivere Reinigung kann man über das Menü starten. Dafür muß der Akku über 50% Ladung haben. Der Vorgang selber dauert nur wenige Sekunden. Nach meiner Erfahrung reicht das aber nicht um hartnäckigen Staub abzuschütteln. Zum Reinigen des Sensors empfiehlt Sony die Verwendung eines Blasebalgs. Damit man den Sensor auch erreicht, kann man im ausgeschalteten Zustand nach der Demontage des Objektivs den Spiegel einfach durch Druck auf den Verriegelungshebel nach oben klappen lassen. Nach der Reinigung wird er dann vorsichtig runtergeklappt und rastet wieder ein. Der Spiegel selber darf nicht berührt werden, kann also auch nur mit dem Blasebalg gereinigt werden. Sollte der Spiegel mal beschädigt werden, kann er leicht ausgetauscht werden. Das Ersatzteil soll angeblich um die 100 EUR kosten.

Speicher-Geschwindigkeit

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Im Serienbildmodus mit 10 Bilder/Sekunde, aber auch beim normalen Fotografieren im RAW-Format, fallen in kurzer Zeit sehr große Datenmengen an. Daher habe ich getestet, ob die verwendete Speicherkarte einen Einfluß hat.
 
Das Ergebnis fiel ziemlich eindeutig aus: langsame Speicherkarten bremsen die alpha 55 aus. Man sollte auf jeden Fall eine SDHC-Karte mit Class 10 oder einen HG-Memorystick benutzen.
 
Alle Tests wurden mit JPG fine durchgeführt. Mit einer Verbatim SDHC Class 4 (schafft schreibend 6 MB/s) konnte ich im 10fps-Modus 30 Fotos mit 9,4 Bilder/Sekunde machen. Danach reduzierte sich die Geschwindigkeit auf 1 Bild alle 0,5 - 0,7 Sekunden. Der Zwischenspeicher wird danach innerhalb von 33,2 Sekunden auf die Karte geschrieben, erst danach ist wieder die volle Geschwindigkeit verfügbar.
 
Mit einer schnellen Lexar SDHC 133x (schafft schreibend 16 MB/s) konnte ich 30 Fotos mit 10,5 Bilder/Sekunde machen. Danach reduziert sich die Geschwindigkeit: alle 0,5 Sekunden werden 2-3 Bilder mit 10fps gemacht. Der Zwischenspeicher wird danach innerhalb von ca. 11 Sekunden auf die Karte geschrieben.
 
Im 6fps-Modus kann mit der Lexar-SDHC die Bildreihe 8,3 Sekunden lang mit 6,5 Bilder/Sekunde durchgeführt werden. Danach werden 11 Sekunden zum Speichern benötigt. Im 3fps-Modus lag die Geschwindigkeit auch nach 30 Sekunden immer noch unverändert und es wurde keine nennenswerte Speicherzeit nach Ende der Bildreihe benötigt. Im Gegensatz zur langsameren Verbatim-SDHC, die auch hier ca. 10 Sekunden zum Speichern brauchte.
 
Eine schnelle Speicherkarte zahlt sich also auf jeden Fall bei der Nutzung der Serienbildgeschwindigkeit aus - Class 10 reicht allerdings aus. Denn ich habe noch HG-Memorystick und eine UHS1-SDXC ausprobiert: unter eine Gesamtzeit von 14 Sekunden zum Abspeichern von 30 JPGS komme ich nicht. Also scheint das Speicherinterface der Kamera bei ~10 MB/s begrenzt zu sein. Ein weiteres Ergebnis des Tests: mit 64 GB SDXC-Karten kommt die alpha 55 problemlos zurecht.

Bildqualität

Die alpha 55 bietet zwei verschiedene Bildformate und vier verschiedene Qualitätsstufen: neben dem klassischen KB-Format 3:2 steht das Breitbild-Format 16:9 zur Verfügung. Der Sucher und das Display stellen dann eine breitere Ansicht dar. Letztendlich wird das Bild im 16:9-Format aber nur oben und unten beschnitten. Als Qualitätsstufen stehen RAW, RAW und JPG, JPG fein und JPG Standard zur Verfügung. Zudem kann man für die JPGs noch die 16 MP-Auflösung auf 8,4 oder 4 Megapixel reduzieren.
 
Die Belichtung erfolgt sehr ausgewogen, wobei ich hauptsächlich mit der Mehrfeld-Belichtung gearbeitet habe. Interessant bzw. ungewöhnlich ist das Verhalten bei der Belichtungsmessung in Kombination mit dem Autofokus:
Ist die Mehrfeld-Messung aktiv, dann fixiert der halbgedrückte Auslöser nicht nur den Fokuspunkt, sondern auch die Belichtung. Bei mittenbetonter oder Spot-Messung oder wenn der kontinuierliche AF aktiv ist, wird dagegen die Belichtung nicht fixiert. Dies Verhalten ist kein großes Problem, da man ja noch eine AE-L-Taste hat. Aber man muß sich darüber erstmal klar werden. Eine intuitive Bedienung ist was anderes.

Testfoto

Auch mit dem Weißabgleich bin ich zufrieden, obwohl er unter Kunstlicht eine deutliche Tendenz zu gelb hat. Vollkommen neutrale Fotos würden unter solchen Lichtbedingungen aber auch recht künstlich wirken. Insgesamt arbeiten Weißabgleich und Belichtung sehr sicher. Selbst bei schneebedeckten Landschaften sind kaum korrigierende Eingriffe notwendig.
 
Ab ISO 1.600 merkt man in der 100% Ansicht, das die Bilder deutlich weicher werden und an Detailzeichnung verlieren. Für übliche Abzugsgrößen - erst Recht bei der Betrachtung am PC oder TV - ist aber selbst ISO 1.600 noch uneingeschränkt nutzbar. Mit der Multiframe-Technik kann man 1 Blendenstufe an Bildqualität gewinnen. ISO 1.600 Bilder sehen dann so gut wie ISO 800 aus.
 
Bei ISO 6.400 sind die Bilder dann schon stark gestört und ISO 12.800 ist ohne die Multiframe-Technik nicht wirklich sinnvoll nutzbar. Aber mit Mulitframe ist sogar ISO 25.600 leicht besser als ISO 12.800 ohne. Es ist keine Detailschärfe, mit der man einen Fotowettbewerb gewinnen kann, aber zu dokumentarischen Zwecken oder für kleine Bildformate mit Sicherheit geeignet.

Testfoto

Das der teildurchlässige Spiegel ~ 25% Licht (entsprechend 0,5 EV) für die Phasen-AF-Sensoren 'klaut' (siehe Sony-Userforum), schlägt sich in der Bildqualität nicht spürbar nieder. Im Gegenteil liegt die Bildqualität deutlich über dem, was Sonys DSLRs bisher geliefert haben und ist den Modellen der Konkurrenz mindestens ebenbürtig.
Allerdings kann es unter besonderen Bedingungen vorkommen, das Störungen durch den Spiegel sichtbar werden - das sogenannte Mirror-Ghosting. Dies kann z.B. bei hellen Lichtquellen in Nachtaufnahmen auftreten. In diesem Beispielbild an einem kleinen zusätzlichen Lichtpunkt unterhalb (Querformat) bzw. rechts (Hochformat) neben den Lampen erkennbar. Das Vergleichsfoto mit der herkömmlichen DSLR zeigt diesen Effekt nicht. Bei den neueren Modellen a65/a77 soll dieses Problem beseitigt sein.
 
Die SONY alphas können defekte Pixel automatisch erkennen und herausrechnen. Dies geschieht automatisch in größeren Zeitabständen. Man kann das Mapping der defekten Pixel manuell auslösen, in dem man das Kameradatum um 1 Jahr vorstellt.


Fazit

Meiner Meinung nach hat Sony mit der alpha 55 nahezu alles richtig gemacht. Es gibt nur wenige kleine Kritikpunkte wie fehlende Benutzerspeicher bzw. benutzerdefinierte Funktionstasten oder die Einschränkungen beim Blitzen, im 10fps-Modus oder im Video. In der täglichen Fotopraxis macht die Kamera einfach nur Spaß und bietet neben den Basics eine Menge neuer Möglichkeiten. Der Einsatz eines elektronischen Suchers bringt in dieser Kameraklasse deutliche Vorteile. Nach nur wenigen Tagen mit der alpha 55 kam mir meine Panasonic FZ30 auf einmal schrecklich alt und rückständig vor. Ich habe sie seitdem nicht mehr in die Hand genommen...

Michael Neuhaus

Hinweis

Sony hat am 20.06.2011 ein Firmware-Update für die Version 2.0 veröffentlicht. Die Testaufnahmen wurde mit der Firmware 1.1 duchgeführt.
 
Tipp: AF-Modul selber justieren
 
Tipp: dunklen Sucher beim externen Blitz mit selbstgebautem Adapter umgehen
 
Tipp: das wichtigste Ersatzteil für die Sony a55: Okularkappe FDA-EP8AM - je nachdem wie man die Kamera trägt geht die Augenmuschel sehr leicht verloren. Am besten mit einem Tropfen Sekundenkleber fixieren.

Update

Die Sony alpha a55 ist inzwischen eingestellt. Das direkte Nachfolgemodell ist die Sony a57. Darunter ist als Einsteigermodell die a37 und darüber die Modelle a65 und a77 positioniert. Bei allen diesen Nachfolgemodellen sind die wichtigsten Kritikpunkte der ersten SLT-Modelle ausgeräumt: die Blitzverzögerung wurde durch Einführung eines elektronischen 1. Vorhangs behoben. Die komplett schwarze Anzeige im Betrieb mit externen Blitzgeräten wurde durch eine Option zur Abschaltung der Belichtungsvorschau behoben. Das Überhitzungsproblem beim Video wurde behoben. Es wird im Videomodus jetzt nicht mehr der mechanische Bildstabilisator benutzt, sondern eine elektronische Stabilisierung. Dadurch steigt der Crop-Faktor beim Filmen von 1,5 auf 1,8. Die Serienbildgeschwindigkeit wurde nochmals erhöht und der elektronische Sucher weiter verbessert. Außerdem wird die manuelle Fokussierung nochmals einfacher durch die zuschaltbare Einfärbung scharfer Kanten.

Beispiele ISO-Performance

Die Testfotos wurden bei schwacher Beleuchtung (Schreibtischlampe) gemacht, so das sich bei ISO 100 und f10 eine Belichtungszeit von 1/2 sec ergeben hat. Der Aufnahmeabstand war so groß, das ich mit bloßem Auge auf der Uhr nur noch 'Skagen' und die großen Ziffern lesen konnte. Die gezeigten Bilder sind 1:1 Ausschnitte - bei der Beurteilung sollte man also beachten, das man die Bilder auf Pixelebene betrachtet! Für die Aufnahmen wurde das Kit-Objektiv DT 18–55 mm / f3,5–5,6 SAM verwendet.
Die Angabe ISO 1.600-MF bedeutet Multiframe-Aufnahme mit ISO 1.600.

Testfoto
ISO 100 - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 200 - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 400 - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 800 - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 1.600 - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 3.200 - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 6.400 - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 12.800 - 1:1 Crop

Testfoto
ISO 1.600-MF - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 3.200-MF - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 6.400-MF - 1:1 Crop
Testfoto
ISO 12.800-MF - 1:1 Crop
      Testfoto
ISO 25.600-MF - 1:1 Crop

Testfoto
ISO 100
Testfoto
ISO 100 DRO 5EV
Testfoto
ISO 1.600 DRO 5EV
Testfoto
ISO 1.600 RM schwach

Stand: 22.08.2011 - Update 27.07.2012
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